02.11.22 to 03.11.22

31. AKKU-Jahrestagung: Die vergessenen Akteure? Migrant*innen in der deutschen Unternehmensgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts

Veranstalter*innen: Stina Barrenscheen, Nele Falldorf, PD Dr. Ingo Köhler

Veranstaltungsort: Hessisches Wirtschaftsarchiv, Darmstadt 

 

„Deutschland ist eine Einwanderungsgesellschaft mit unvollständigem Gedächtnis.“ (Alexopoulou 2016)   

Migrant*innen (und ihre Nachkommen) gestalteten deutsche Unternehmen und Arbeitswelten zunehmend ab der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts mit eigener Handlungsmacht und in unterschiedlichsten Funktionen aktiv mit. Zwar hat die Unternehmensgeschichte seit den 1990er Jahren durch Projekte zur „Zwangsmigration“ und der „Gastarbeit“ wichtige Beiträge zur Migrationsforschung geleistet, dennoch sind diese Verbindungen weiterhin nur schwach geknüpft und es ist weiterhin zu beobachten, dass die „[…] Migrationsgeschichte und die Un-ternehmensgeschichte zwei getrennte Communities sind, die nicht miteinander sprechen“.  (Berghoff/Fahrmeir 2013) 

Ziel der Tagung ist es, neue Brücken zwischen den Forschungsfeldern zu bauen – ein Vorha-ben für das es viele spannende Zugänge gibt. Die Rolle von Migrant*innen in Unternehmen weist eine hohe Diversität auf, die in der bisherigen Forschung nur unzureichend erforscht wurde. Dies betrifft nicht nur berufliche Mobilitätschancen und -möglichkeiten oder institutionelle Rahmenbedingungen der Arbeitsintegration: Auch die unterschiedlichen Migrationstypen (z. B. Binnenmigration, Migration aus religiösen, familiären oder wirtschaftlichen Gründen bis hin zur Flucht und Remigration) wurden bislang nur wenig thematisiert und auf ihre Folgen hinsichtlich Beschäftigung, Integration und Sozialstatus untersucht. Folglich soll die Tagung die bisherige thematische und methodische Auseinandersetzung mit Migration in der Unternehmensgeschichte hinterfragen und zu einem interdisziplinären Austausch anregen. Hierbei soll der Fokus zwar auf Deutschland seit der Hochphase der Industrialisierung mit einem Schwerpunkt auf dem 20. Jahrhundert liegen; ebenso sind uns vergleichende inter- und transnationale Perspektiven in diesem zeitlichen Rahmen herzlich willkommen. 

Traditionell stehen systematisch gesteuerte Migrationsprozesse aus einer paternalistischen Perspektive im Fokus unternehmenshistorischer Arbeiten, in der migrantische Akteure eine marginale, meist passive Rolle spielen. Daher setzt sich die Tagung zum Ziel die historische Rolle von Migrant*innen auch als handelende Akteure mit eigener Agency in Unternehmen zu reflektieren, um sie in das historische Narrativ der deutschen Unternehmensgeschichte einzu-betten. Der dauerhafte wechselseitige Austausch zwischen der Unternehmensgeschichte und der historischen Migrationsforschung soll befördert werden, um die Anwendungsmöglichkei-ten des jeweiligen methodischen Instrumentenkastens besser kennenzulernen und auf diese Weise neue Themenfelder für alle Disziplinen zu erschließen. 

Neben der thematischen Zielsetzung ist ebenso der interdisziplinäre Austausch von großem Interesse:

  1. Welche Rolle spielt Migration in aktuellen unternehmenshistorischen Forschungen? Was wissen wir über die unterschiedlichen Rollen von Migrant*innen in Unternehmen? Welche aktuellen Forschungsprojekte sind an der Schnittstelle zwischen Unterneh-mens- und Migrationsgeschichte zu finden?
  2. Wie kann die Unternehmensgeschichte an die sozialhistorische Migrationsforschung und weitere (Teil-)Disziplinen anschließen und mit ihr, sowie mit weiteren angrenzen-den (Teil-)Disziplinen, in Dialog treten? Welche methodischen Impulse könnten dem jeweils anderen Fach neue Perspektiven erschließen? 

Wir suchen nach Beiträgen, die sich exemplarisch in den folgenden Feldern bewegen:

  • Migrantisches Unternehmertum: Mit wenigen Ausnahmen betrachtet die Unter-nehmensgeschichte Migrant*innen vor allem als Arbeitnehmer*innen. Jedoch münden migrantische Erwerbsformen nicht selten in der Selbstständigkeit bzw. in unternehmerischen Tätigkeiten. Aufgrund dessen soll die Rolle von migrantischem Unternehmertum beleuchtet werden: Welche Ressourcen standen zur Verfügung? Welchen Einfluss hatten ethnisch-religiöse oder geschlechterspezifische Netzwerke bei der Gründung von Unternehmen? Welche Hindernisse galt es zu überwinden? Wie entwickelten sich die Unternehmen hinsichtlich ihrer Arbeiterschaft, Einbindung und Partizipation in Verbänden und Netzwerke, Absatzmärkten oder Zielgruppen von Dienstleistungen?
  • Unternehmen als soziokulturelle Interaktionsfelder: Wie gestalteten und wandelten sich betriebliche Arbeits- und Lebenswelten für Migrant*innen? Inwiefern entwi-ckelten Unternehmen Integrationsstrategien und -maßnahmen für die migrantische Teilhabe? Welche migrantischen Aushandlungsprozesse, Handlungsspielräume und Projektionsflächen bot das Unternehmen? 
  • Rolle von Gewerkschaften, Kirchen und eigenen Interessenvertretungen: Welche Strategien der Interessensvertretung gab es seitens der Migrant*innen und durch welche Akteure wurden sie unterstützt? Welche Rolle nahmen unterschiedliche Inte-ressenvertretungen (Kirche, Gewerkschaft, Verein, Verbände) in der strukturellen Integration von Migrant*innen ein? 
  • Vergessene Akteure – Migrant*innen jenseits der „Gastarbeit“: In der bisheri-gen Forschung stehen insbesondere gezielt angeworbene Migrant*innen im Rahmen der offiziellen Anwerbeabkommen (1955-1973) im Mittelpunkt. Weniger berücksichtigt wurden bisher Migrant*innen, die nicht im Rahmen der Anwerbeabkommen migrierten. Um der Diversität der unterschiedlichen Einwanderungsformen gerecht zu werden, soll der Blick auch auf anderen Herkunftsregionen, Mobilitätsformen (z.B. politische und religiöse Migration) und Einwanderungskanälen liegen, die und deren Bedeutung im übergeordneten Wandel der Arbeitswelt im Vordergrund stehen.
  • Bildungsbiografien: Qualifiziert für deutsche Unternehmen? Welche Rolle spielen die Bildungsabschlüsse der Migrant*innen und deren Anerkennung bei der Integration in Unternehmen? Wie liefen Anerkennungsverfahren ab? Inwiefern konnte an Karrieren vor der Einwanderung in der Aufnahmegesellschaft angeknüpft werden? Inwiefern sind berufliche Mobilitäten „nach oben“ und „nach unten“ zu identifizieren? 

Dieser Call for Papers richtet sich an Forscher*innen, die laufende oder abgeschlossene Forschungsprojekte zu diesen oder angrenzenden Themenfeldern präsentieren wollen. Im Sinne der Interdisziplinarität freuen wir uns über Beiträge aus der Geschichtswissenschaft, Wirtschaftswissenschaft, Soziologie, Ethnologie oder den Politikwissenschaften. Die Tagung ist für Teilnehmer*innen aller Qualifikationsstufen offen, auch für Doktorand*innen in der Frühphase ihrer Forschungsarbeiten.

Bitte schicken Sie Ihre Vorschläge mit einem kurzen Exposé des geplanten, 20-minütigen Vortrags (eine Seite), einem kurzen Lebenslauf und Angaben zu Ihren wichtigsten Veröffentlichungen bis zum 31.05.2022 an: nele.falldorf@uni-goettingen.de

Möglichkeit der Einreichung verlängert bis 30. Juni 2022!!

 


Archive: Topics and Reports of the Annual Conferences of AKKU between 1990 and 2018

Please find the topics and reports of the Annual Conferences:             

04.11.21 to 05.11.21
30. AKKU-Jahrestagung: Erst Überfluss, dann überflüssig? Erneuerungsdialoge zwischen Unternehmensgeschichte und (allgemeiner) Geschichtswissenschaft

Veranstalter*innen: 
Juliane Czierpka (Bochum) / Boris Gehlen (Stuttgart) / Nina Kleinöder (Bamberg) / Christian Marx (München) 

Seit den 1990er Jahren hat die Unternehmensgeschichte vor allem durch ihre Studien zu Zwangsarbeit und „Arisierung“ wichtige Beiträge zur allgemeinen Geschichtswissenschaft geliefert. Zahlreiche methodisch reflektierte Arbeiten lösten den Anspruch an eine moderne Geschichtswissenschaft ein und gaben zugleich Impulse für[...]

14.11.19 to 16.11.19
29. AKKU-Jahrestagung: Zwischen Image und Aufklärung: Public Relations, Wirtschaftsjournalismus und Unternehmen im Deutschland des 20. Jh.

 

Gutenberg Workshop und AKKU-Jahrestagung 2019 an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Organisiert von: PD Dr. Bernhard Dietz, Jun.-Prof. Dr. Eva-Maria Roelevink und Prof. Dr. Tanjev Schultz

Anfang der 1960er Jahre verschickte Georg-Volkmar Zedtwitz-Arnim[...]

16.11.18 to 17.11.18
28. AKKU-Jahrestagung: Unternehmen und medialer Wandel

Akku-Jahrestagung 2018 an der Universität Siegen

Unternehmen und medialer Wandel stehen in einem engen Wechselverhältnis. Medien beeinflussen die unternehmensinterne Kommunikation und Struktur, sie organisieren die Produktionsbedingungen oder definieren Werbe- und[...]

17.11.17 to 18.11.17
27. AKKU-Jahrestagung in Kooperation mit dem Arbeitskreis für kritische Unternehmens- und Industriegeschichte

Goethe University, Frankfurt am Main, 17.-18. November 2017
Campus Westend, Casino, Room: Cas 1.801 (Renate von Metzler-Saal)

[...]

18.11.16 to 19.11.16
26. Annual Conference 2016: "The Industrialized War from the 19th Century to the Present. 100 Years of the "Hindenburgprogramm" in International and Intertemporal Comparison"

Location: Munich, BMW Group Classic
                                                                                         [...]

13.11.15 to 14.11.15
25. Annual Conference: "Companies und Sciences in the 19th and 20th Century"

Location: Düsseldorf                                                                                       [...]

13.11.14 to 14.11.14
24. Annual Conference: "The Crisis as a Disease? Economic Rhetoric in Economic and Business History"
Ort: Westfälisches Wirtschaftsarchiv Dortmund
                                                                                                   [...]

13.12.13 to 14.12.13
23. Annual Conference: "Modern Business History in Debate"

Location:    Rheinisches Landesmuseum für Industrie- und Sozialgeschichte, Oberhausen                                                                                   [...]

09.11.12 to 10.11.12
22. Annual Conference: "Business History Meets Entrepreneurship"

Please find the conference report on H-Soz-u-Kult.

[...]

10.11.11 to 12.11.11
21. Annual Conference: "Germany Inc.? Corporations, organizations, and policy maker in West Germany"

Please find the conference report on H-Soz-u-Kult.

[...]

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